Biber sind wichtige Lebensraumgestalter!
Biber sind keine kleinen gefräßigen Nager!
Mitglieder des Arbeitskreises Biber:
v. l. Dieter Gothe, Gerhard Hof, Jörg Althoff
In dem Bericht der HNA/Hersfelder Zeitung (16.01.2025) beklagen sich die Alheimer Landwirte, dass sie ihre Felder zwischen Hergershausen und Erdpenhausen nicht mehr richtig bewirtschaften können, weil die Böden durch Biberdämme entlang des Baches „Gude“ angeblich zu nass und teilweise überschwemmt sind. Von den Verhältnissen haben sich Gerhard Hof (Ausbilder beim Jagdverein Rotenburg und Vogelschutzbeauftragter), Dieter Gothe (Naturschutzbund) sowie Jörg Althoff (BUND-Kreisvorstand und Mitglied im Vorstand des Landschaftspflegeverbandes Hersfeld-Rotenburg) vor Ort persönlich ein Bild gemacht. Die drei Mitglieder des Naturschutzbeirates beurteilen die angeblichen Schäden durch den Biber entgegen den Alheimer Landwirten wie folgt:
Von den dauerhaften und großflächigen Überschwemmungen entlang des Bachlaufes „Gude“ war bereits nach wenigen Tagen nicht mehr viel zu sehen. Die Überschwemmungen im Bereich des Bachlaufes waren kleinflächig, nicht von langer Dauer und nicht durch die Biberdämme bedingt, sondern waren das Folgeereignis der zuvor langanhaltenden und intensiven Niederschläge. Zudem handelt es sich um den Auenbereich eines Gewässers und beim Gudegrund um ein Kerbtal, dem aufgrund der umliegenden Hanglagen schnell viel Wasser zugeführt wird. Biberdämme sind durchlässig und werden bei Hochwasser überflutet.
Ausserdem bezogen sich die kurzzeitigen Überflutungen fast ausschließlich auf den vier Meter breiten Gewässerrandstreifen, auf dem nach dem Hessischen Wassergesetz besondere Abstandsauflagen bestehen. Diese sind der Gewässerentwicklung zu überlassen! Dafür gibt es Fördermittel bzw. können durch die unterhaltungspflichten Gemeinden angekauft werden. Neben dem Einsatz und die Lagerung von Pflanzenschutz- und Düngemitteln ist das Pflügen in einem Bereich von 4 m ab der Böschungsoberkante untersagt. Daran haben sich die Alheimer Landwirte zum Teil nicht gehalten, sondern direkt bis an die Böschungskante gepflügt. Ferner wurde die Biberburg im Bereich des Gewässerrandstreifen „plattgefahren“.
Die Befürchtung des CDU-Gemeindevertreters und Kreisausschussmitgliedes, Herrn Diegel, „Unsere Flächen gehen Stück für Stück durch die Wiederansiedlung des Bibers verloren“ kann von uns nicht geteilt werden. Während Kreisbauernverband und CDU-Vertreter beim Biber um jeden Quadratmeter kämpfen, haben sie mit der dauerhaften Vernichtung von Millionen Quadratmeter wertvollen fruchtbaren landwirtschaftlichen Flächen für die Ansiedlung von Logistikbetrieben im Landkreis sowie dem Bau der Umgehungsstraße Lispenhausen keine Probleme.
Statt wie beim Wolf die Regulierung der Biberbestände und wie in den siebziger Jahren Maßnahmen der Gewässerpflege zum schnellen Wasserabluss zu fordern, um das Problem des Hochwassers auf die Unterlieger zu verschieben, empfehlen Gerhard Hof, Dieter Gothe und Jörg Althoff den Alheimer Landwirten sich einmal mit den Vorteilen eines Biberrevieres auseinanderzusetzen.
- Bei den Bibern handelt es sich nicht um gefräßige kleine Nager, sondern um Ökosystemingenieure, die zu einer Erhöhung der Lebensraum- und Artenvielfalt und damit der Biodiversität führen.
- Die von ihnen gestalteten Strukturen und Lebensraumtypen bieten vor allem auch seltenen und gefährdeten Arten Brut- und Nahrungsstätten.
- Der Biber hält das Wasser in der Landschaft zurück und puffert so die Auswirkungen des Klimawandels ab. Dies gilt sowohl für die Auswirkungen von Dürrephasen als auch von Extrem-Niederschlagsereignissen.
- Der Biber trägt maßgeblich zur Renaturierung der hessischen Fließgewässer bei, und zwar in einem Umfang und Maße, wie es für uns Menschen konstruktionstechnisch kaum möglich und nur unter hohem finanziellem Aufwand umsetzbar wäre.
Die Erhaltung der Schöpfung dürfte auch den Alheimer Landwirten und CDU- Vertretern am Herzen liegen. Hier sollten in Absprache mit der Oberen und Unteren Naturschutzbehörde sowie dem Forstamt Rotenburg partielle Lösungen zu finden sein, sind sich die Naturschutzvertreter sicher.
Gerhard Hof, Dieter Gothe und Jörg Althoff (BUND Kreisverband Hersfeld-Rotenburg)