BUND Kreisverband Hersfeld-Rotenburg
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Billigste Variante der geplanten Ortsumgehung B 83 Lispenhausen wird favorisiert

B 83 Ortsumgehung wird konkret / Straßen durch Fuldawiesen

Die SPD-Landtagsabgeordnete Frau Fissmann frohlockt ohne Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten über die neue angeblich vom Bund genehmigte Vorzugsvariante 2a der geplanten Ortsumgehung B 83 Lispenhausen. Welche schwerwiegenden Eingriffe mit einer Umgehungsstraße in der Fuldaaue verbunden sind, lässt sie dabei außer Betracht. Vorbei die Zeiten, als die SPD Hessen noch unter dem damaligen Umweltminister Jörg Jordan (SPD) ein umfangreiches Landschaftsprogramm beschlossen hat. 

Die Umweltverbände von BUND, NABU, HGON im Landkreis sowie die Naturkundliche Gesellschaft Mittleres Fuldatal haben bereits im Jahr 2022 vereinbart gegen die geplante Logistikhallte der Pfennig Gruppe im Auen- und Überschwemmungsbereich der Fulda bei Bebra gemeinsam und koordiniert vorzugehen und dabei alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen. „Unser gemeinsames Vorgehen bezieht sich auch auf die geplante Umgehungsstraße B 83 bei Lispenhausen und Bebra. Das haben wir gerade vereinbart“ Darauf weist Jörg Althoff von Kreisvorstand des BUND zusammen mit den Kollegen der anderen Umweltverbände hin! Eine Umgehungsstraße durch die Fuldaaue insbesondere nach den jüngsten Hochwasserereignissen in Bayern und Baden-Württemberg ist nicht mehr zeitgemäß. Weder ökologisch noch ökonomisch. Es kommt zum Schutz der Unterlieger vor Überschwemmungen auf jeden Quadratmeter unbebauter Flussaue als natürlichen Wasserrückhalt an.  Daher sind die Flächen für die geplante Umgehungsstraße als auch der Bereich „Kuhrasen“ bei Bebra dauerhaft von jeder Bebauung freizuhalten. Das gesamte Umfeld auch außerhalb der amtlich festgesetzten Überschwemmungsbereiche hat eine hohe Bedeutung für das EU-Vogelschutzgebiet als Heimat und Rastplatz für 52 gefährdete Vogelarten. Das ist das Ergebnis von über 20 Jahren ornithologischer Kartierungen von Arno Werner (Naturschutzinitiative), der das Gebiet wie seine Westentasche kennt.

Dagegen hat ein Jurist aus der Leitungsebene von Hessen Mobil entschieden, diese ökologischen Fakten als „händelbar“ einzustufen und die billigste Variante 2a durch die Fuldaaue zu favorisieren. Die aufwendigere und teurere Variante 1a verbunden mit einem Brückenbauwerk über die Bahngleise zwischen Lispenhausen und Bebra wurde mit einem Federstrich verworfen.

Die Umweltverbände favorisieren die „allerbilligste“ Lösung, und zwar die „Nullvariante“!  Ein Verzicht auf die Umgehungsstraße verschiebt die Verkehrslärmbelastung nicht auf andere Wohnbereiche von Lispenhausen, spart wertvolle Ressourcen, gibt Mittel frei für dringende Straßen- und Brückensanierungen. Zudem wird wertvoller Retentionsraum sowie wertvolle landwirtschaftliche Fläche, unsere Nahrungsgrundlage, in der Fuldaaue erhalten.

Die Umweltverbände bieten Frau Fissmann an, sie im Rahmen eines Ortstermines über die örtlichen Gegebenheiten insbesondere zum Hochwasser- und Artenschutz in der Fuldaaue zu informieren.

BUND Kreisverband, NABU Kreisverband, HGON Kreisverband, Naturkundliche Gesellschaft Mittleres Fuldatal

Bericht in der HZ/HNA vom 1. Juni 2024